Vom 23. bis 25. Oktober 2026 stand Remscheid-Lennep ganz im Zeichen von Wissenschaft, Kultur und Bewegung. Das „Lange Röntgen-Wochenende“ verband spannende Einblicke in die Geschichte und Zukunft der Kinderradiologie mit musikalischen Erlebnissen und sportlichem Teamgeist beim traditionellen Röntgenlauf – drei Tage voller Begegnungen, Gemeinschaft und bergischer Herzlichkeit.
Den Auftakt bildete am Freitag das fünfte Forum der Historischen Kommission der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) im historischen Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen. In diesem Jahr stand die Entwicklung und der aktuelle Stand der Kinderradiologie im deutschsprachigen Raum im Mittelpunkt.
Prof. Dr. Heinz-Peter Schlemmer, Vorsitzender der Historischen Kommission und Leiter der Abteilung Radiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, begrüßte zahlreiche Gäste, darunter als Ehrengast Prof. Dr. Gabriele Benz-Bohm, ehemalige Leiterin der Kinderradiologie an der Universität zu Köln.
In ihrem Einführungsvortrag zeichnete Gabriele Benz-Bohm die Geschichte der Kinder- und Jugendradiologie in Deutschland nach. Bereits 1897 wurde unter Prof. Theodor Escherich am Kinderkrankenhaus in Graz die erste Röntgeneinrichtung eines europäischen Kinderkrankenhauses installiert. Mit der Gründung der European Society of Pediatric Radiology und der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR) im Jahr 1963 entwickelte sich die Kinderradiologie zunehmend zu einer eigenständigen radiologischen Fachdisziplin. Trotz ihrer großen Bedeutung ist die Zahl der spezialisierten Fachärztinnen und Fachärzte in Deutschland weiterhin gering: 2025 waren hierzulande nur etwa 145 Kinderradiologinnen und Kinderradiologen berufstätig.
Dr. Martha Dohna und PD Dr. Mark Born von der Sektion Kinderradiologie am Universitätsklinikum Bonn verdeutlichten anschließend die besonderen Anforderungen an die radiologische Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Ihre Vorträge machten deutlich, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind: Neben speziellen medizinischen Kenntnissen erfordert die kinderradiologische Diagnostik ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen im Umgang mit jungen Patientinnen und Patienten sowie ihren Eltern.
Den Bogen zur aktuellen Forschung schlug Prof. Dr. Franz-Wolfgang Hirsch, emeritierter Direktor des Instituts für Kinderradiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Er stellte innovative Entwicklungen in der kinderradiologischen Lungenbildgebung vor. Im Mittelpunkt stand dabei die Echtzeit-Magnetresonanztomographie (Real-Time-MRT), die neue Möglichkeiten für eine schnelle und strahlungsfreie Diagnostik eröffnet. Mithilfe moderner MRT-Techniken lassen sich beispielsweise Atem- und Herzbewegungen dynamisch darstellen. Damit eröffnen sich insbesondere für die Untersuchung von Kindern vielversprechende Perspektiven, bei denen der Strahlenschutz eine besonders wichtige Rolle spielt.
Ein besonderer Höhepunkt des Forums war das Kamingespräch mit Prof. Dr. Gabriele Benz-Bohm. Die Gesprächsreihe der Historischen Kommission dokumentiert die persönlichen Lebenswege und Erfahrungen prägender Persönlichkeiten der Radiologie und macht damit die Geschichte des Fachs unmittelbar erlebbar.
Im Gespräch mit Prof. Dr. Heinz-Peter Schlemmer und Nadja Kocher blickte Gabriele Benz-Bohm auf ihren beruflichen Werdegang zurück. Sie berichtete von Herausforderungen, prägenden Erfahrungen und ihrer Leidenschaft für die Kinderradiologie. Dabei machte sie deutlich, dass sie ihren beruflichen Weg trotz mancher Widrigkeiten jederzeit wieder einschlagen würde.
Im Anschluss wurde Gabriele Benz-Bohm für ihre herausragenden Verdienste um die Entwicklung der Kinderradiologie in Forschung und klinischer Anwendung mit dem Röntgen-Pionierpreis 2026 ausgezeichnet. Wir gratulieren der Preisträgerin herzlich zu dieser besonderen Ehrung!
Am Samstag ging das Röntgen-Wochenende in geselliger und kultureller Atmosphäre weiter. Bei einer gemeinsamen Pasta-Party stärkten sich die Läuferinnen und Läufer für den bevorstehenden Röntgenlauf und nutzten die Gelegenheit, sich in entspannter Runde auszutauschen und auf das sportliche Ereignis einzustimmen.
Anschließend öffnete das historische Geburtshaus im Rahmen der Nacht der Kultur und Kirchen seine Türen. Live-Musik sorgte für eine besondere Atmosphäre und lud die Besucherinnen und Besucher dazu ein, den geschichtsträchtigen Ort auf musikalische Weise zu erleben.
Am Sonntag stand schließlich die Bewegung im Mittelpunkt: 40 Läuferinnen und Läufer gingen beim traditionellen Röntgenlauf für das DRG-Team „X-Ray Runners“ an den Start.
Mit viel Motivation, Ausdauer und Teamgeist stellten sie sich der sportlichen Herausforderung und sorgten für einen gelungenen Abschluss des langen Röntgen-Wochenendes.
Das Wochenende zeigte einmal mehr, wie sich Wissenschaft, Geschichte, Kultur und Sport am Geburtsort von Wilhelm Conrad Röntgen auf besondere Weise miteinander verbinden lassen.
Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden, Gäste und Teilnehmenden, die dieses abwechslungsreiche Wochenende mitgestaltet haben!